Deutschland, 1999 


Story:

Abgesehen von ihren vielen Affären mit Männern, die ihr einen Gefallen tun können, lebt Lily Wust 1943 das normale Leben einer deutschen Ehefrau: Ihr Mann kämpft an der Front, sie versorgt zu Hause die vier Kinder und über dem Kamin hängt der alles überblickende Hitler. Man befindet sich in einem ehrbaren Haus und die Hausherrin mit ihrem Mutterverdienstkreuz ist davon überzeugt, dass sie Juden riechen könnte. Doch dann lernt sie Felice durch ihre Haushaltshilfe Ilse kennen und eine neue Welt eröffnet sich für sie. Felice und ihre Freundinnen sind jung, schön und gebildet und sie genießen das Leben in vollen Zügen als ob es kein Morgen gäbe, was durch die Bombardierung der Stadt durchaus möglich ist. Zunächst ist Lily nur von dieser anderen Welt und Felice fasziniert doch als ihr diese offensichtlich Avancen macht, dauert es nicht lange, bis sich Lily eingestehen muß, sich in die Frau verliebt zu haben. Und von dort an macht ihr Leben eine 180 Grad Wendung. Die beiden schreiben sich unter ihren Kosenamen Aimee und Jaguar Liebesbriefe und Gedichte. Doch Felice bleibt ihr weiterhin ein Geheimnis, verschwindet sie doch oft tagelang ohne ihr zu erzählen, was sie getrieben hat. Lily wird von Eifersucht zerfressen und fordert von Felice die ganze Wahrheit. Eine Wahrheit, an der sie zu schlucken hat, als sie erfährt, dass ihre Jaguar jüdisch ist und für eine Zeitung der Nazis arbeitet, um an Informationen für den Untergrund zu gelangen. Letztendlich jedoch steht Lily zu Felice und lässt sich von ihrem Mann scheiden, "heiratet" Felice und gewährt dieser und ihren Freundinnen in ihrer Wohnung Unterschlupf. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer.

Kommentar:

Schon das Buch von Erika Fischer, das die ungewöhnliche Liebesgeschichte erzählte, war ein Erfolg und der Film, der 1999 die Berlinale eröffnete und den beiden Hauptdarstellerinnen einen silbernen Bären bescherte, war ein ebensolcher. In der ersten halben Stunde erkennt man die Geschichte, wenn man das Buch gelesen hat zunächst nicht wieder, aber das ist nicht schlimm, denn schon oft musste man erleben, dass Filme, die sich zu sehr an die Vorlage halten, scheitern. Manchmal ist es besser, die Essenz zu nehmen und sie dem anderen Medium anzupassen und genau dies ist hier geschehen. Doch bei all der Romantisierung der Liebesgeschichte schafft es Max Färberböck auch kritischere Töne anzustimmen, die auch schon im Buch sichtbar sind. In zwei Szenen klingt die Frage an, ob wenn Felcie überlebt hätte, die Beziehung überhaupt so einen Bestand gehabt hätte, wie Lily Wust ihr verleiht. Und auch Lilys Egoismus, indem sie Felice anfleht, bei ihr zu bleiben anstatt ins rettende Ausland zu fliehen, bleibt nicht unerwähnt. Dies alles schmälert die Bedeutung der Geschichte nicht, sondern verleiht ihr eher einen Hauch mehr Realität, die manchmal durch die sehr theaterhafte Inszenierung, fast alle Szenen spielen sich im Wust'schen Haushalt ab, erdrückt wird. Letztendlich ist es jedoch ein schöner Film über eine tragisch, traurige Liebesgeschichte. 

Production Infos

Deutschland,1999,126min,color 
Cast
Felice Schragenheim  Maria Schrader 
Lilly Wust  Juliane Köhler 
   
Crew
director Max Färberböck 
script Erika Fischer
Max Färberböck
Rona Munro
camera Toni Imi 
   
Links
official site 
Kinoweb Aimee & Jaguar
Wikipedia
Maria Schrader Wikipedia
Juliane Köhler Wikipedia
 
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