| Story:
Abgesehen
von ihren vielen Affären mit Männern, die ihr
einen Gefallen tun können, lebt Lily Wust 1943 das
normale Leben einer deutschen Ehefrau: Ihr Mann kämpft
an der Front, sie versorgt zu Hause die vier Kinder und
über dem Kamin hängt der alles überblickende
Hitler. Man befindet sich in einem ehrbaren Haus und die
Hausherrin mit ihrem Mutterverdienstkreuz ist davon überzeugt,
dass sie Juden riechen könnte. Doch dann lernt sie
Felice durch ihre Haushaltshilfe Ilse kennen und eine neue
Welt eröffnet sich für sie. Felice und ihre Freundinnen
sind jung, schön und gebildet und sie genießen
das Leben in vollen Zügen als ob es kein Morgen gäbe,
was durch die Bombardierung der Stadt durchaus möglich
ist. Zunächst ist Lily nur von dieser anderen Welt
und Felice fasziniert doch als ihr diese offensichtlich
Avancen macht, dauert es nicht lange, bis sich Lily eingestehen
muß, sich in die Frau verliebt zu haben. Und von dort
an macht ihr Leben eine 180 Grad Wendung. Die beiden schreiben
sich unter ihren Kosenamen Aimee und Jaguar Liebesbriefe
und Gedichte. Doch Felice bleibt ihr weiterhin ein Geheimnis,
verschwindet sie doch oft tagelang ohne ihr zu erzählen,
was sie getrieben hat. Lily wird von Eifersucht zerfressen
und fordert von Felice die ganze Wahrheit. Eine Wahrheit,
an der sie zu schlucken hat, als sie erfährt, dass
ihre Jaguar jüdisch ist und für eine Zeitung der
Nazis arbeitet, um an Informationen für den Untergrund
zu gelangen. Letztendlich jedoch steht Lily zu Felice und
lässt sich von ihrem Mann scheiden, "heiratet" Felice
und gewährt dieser und ihren Freundinnen in ihrer Wohnung
Unterschlupf. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer.
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| Kommentar:
Schon das Buch von Erika
Fischer, das die ungewöhnliche Liebesgeschichte erzählte,
war ein Erfolg und der Film, der 1999 die Berlinale eröffnete
und den beiden Hauptdarstellerinnen einen silbernen Bären
bescherte, war ein ebensolcher. In der ersten halben Stunde
erkennt man die Geschichte, wenn man das Buch gelesen hat
zunächst nicht wieder, aber das ist nicht schlimm,
denn schon oft musste man erleben, dass Filme, die sich
zu sehr an die Vorlage halten, scheitern. Manchmal ist es
besser, die Essenz zu nehmen und sie dem anderen Medium
anzupassen und genau dies ist hier geschehen. Doch bei all
der Romantisierung der Liebesgeschichte schafft es Max Färberböck
auch kritischere Töne anzustimmen, die auch schon im
Buch sichtbar sind. In zwei Szenen klingt die Frage an,
ob wenn Felcie überlebt hätte, die Beziehung überhaupt
so einen Bestand gehabt hätte, wie Lily Wust ihr verleiht.
Und auch Lilys Egoismus, indem sie Felice anfleht, bei ihr
zu bleiben anstatt ins rettende Ausland zu fliehen, bleibt
nicht unerwähnt. Dies alles schmälert die Bedeutung
der Geschichte nicht, sondern verleiht ihr eher einen Hauch
mehr Realität, die manchmal durch die sehr theaterhafte
Inszenierung, fast alle Szenen spielen sich im Wust'schen
Haushalt ab, erdrückt wird. Letztendlich ist es jedoch
ein schöner Film über eine tragisch, traurige
Liebesgeschichte.
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Production
Infos
Deutschland,1999,126min,color
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