Einige von euch haben es sicherlich bemerkt. In den letzten Monaten litt cootv an einem nie da gewesenen Output an Film- und Serien-Updates. Und vielleicht habt ihr euch auch schon gefragt woran das liegt. Nein, keine von uns ist plötzlich arbeitslos geworden und hat die Zeit genutzt, endlich mal die nie enden wollende Update-Liste (die zur Zeit immer noch ca. 170 Filme und 30 Serien umfaßt) abzuarbeiten. Auch ist kein bisher unbekannter Zwilling aufgetaucht, der sich beteiligt und das Team hat auch nicht expandiert. Nein, wir hatten eine Mission / Vision. Ein halbes Jahr lang, vom Adventskalender an bis zum 26.06.2006, wollten wir euch jeden Tag ein Update bieten.

Wieso?

Weil am 26.06.2006 cootv 5 Jahre alt geworden ist.

Ja, auch wir wurden von dem für eine Homepage fortgeschrittenen Alter und der Größe überrascht.

Zum jetzigen Zeitpunkt beherbergt ‚unser Baby', das langsam an Übergewicht leidet, 233 Filme und 113 Serien. Zusammengefaßt spielen 933 unterschiedliche Schauspielerinnen schon Lesbenrollen oder küssten zur Aufpeppung ihrer Filmographie eine andere Frau.

Da manche Frauen wie Mariel Hemmingway nicht wissen, wann es Zeit ist aufzuhören und um für die Nachwelt festzuhalten, wieviele Frauen Neve Campbell schon in ihrer Karriere geküßt hat, hatten wir vor einiger Zeit die Idee, diese "Wiederholungstäterinnen" in unserer Lesbenhitparade festzuhalten, für die wir von euch immer wieder jede Menge zusätzliche Infos bekommen.

Aus gegebenem Anlass dachten wir uns, ein kleiner Rückblick über die Entstehungsgeschichte wäre ganz nett:

Die Anfänge von cootv lassen sich viel weiter zurückverfolgen als bis ins Jahr 2001. Alles begann im Jahre 1998, als es zum Jubiläum der 750igsten Marienhof-Folge einen Chat gab. Dieser Chat wurde von einem bunten Völkchen bevölkert, die sich kurz die Flusen nannten, und jeden Tag ihre meist negativ-witzigen Kommentare im angeschlossenen Forum hinterließen. Unter ihnen auch zwei mit den Namen Emma und Katya. (hier ein Gruß an alle Flusen)

Wie es Serien mit lesbischen Darstellern so an sich haben, hatte der Marienhof eine große Schar lesbischer Anhängerinnen, die sich im Chat tummelten, so dass man schon eher den Eindruck gewinnen konnte, in einem großen lesbischen Kuppelchat gelandet zu sein. Natürlich tummelten sich dort auch nette männliche Chatter und ein Psychopath.

Aus dieser Zeit stammt auch die deutsch-österreichische Freundschaft zwischen mirage und insomnia.

Natürlich wurde nicht nur über den Marienhof diskutiert, auch z.B. über Verbotene Liebe (manche Insider erinnern sich vielleicht noch an das Abhören eines bestimmen Anrufbeantworters) und andere damals noch licht gesäte Lesben. Und so begann man damals, in der Zeit als es noch keine selbstgebrannten DVDs gab, Videokassetten auszutauschen.

Irgendwann kam die Idee, dieses nutzlose Wissen zu archivieren und was bot sich da besser an, als es ins Internet zu stellen.

Die Anfänge waren klein und zunächst hatten wir höchsten 20 Besucher am Tag, aber mit den Jahren und den Adventskalendern, die nun schon das vierte Jahr in Folge ihren Auftritt haben, gab es immer mehr Besucher. Heute können wir täglich durchschnittlich zwischen 600 und 700 verzeichnen. Ein Abfall auf unter 600 wird dann auch immer gleich lauthals von mirage über ICQ verkündet, als ob ein Krisenrat einberufen werden müsste. Dank unserer ‚delikaten' Filmauswahl sind wir sogar bei Google, z.T. der erste ‚Hit' bei kleinen Juwelen unserer Auswahl wie ‚Singlefalle', ‚Kommt Mausi raus?!' und ‚Zärtliche Begierde'. Auch bei vielen anderen Filmen sind wir nach kommerziellen Seiten weit vorne zu finden. Manche Besucher landen aber auch mit Suchbegriffen wie z.B. "Sex im Freien" ungewollt auf unserer Seite. :-)

Ständig versuchen wir unser Archiv zu erweitern und um aktuell zu wissen, welche Filme noch zu machen sind, hat mirage eine solch bunte Tabellenliste angelegt, dass jeder versierte Excel-Benutzer, z.B. insomnia, Seekrank oder farbenblind wird.

Eine andere Frage, die uns immer wieder gestellt wird, ist: wie findet ihr die Filme und Serien nur immer im Fernsehen. Neben harter Recherchearbeit, dazu gehört auch das zweiwöchentliche Freitagsritual von mirage, die TV-Zeitschriften nach verdächtigen Titeln und Bildern zu durchblättern, ist auch mirages schon häufig verteufelter angeborener gaydar an der einen oder anderen ungewollten Lesbensichtung schuld. Vielleicht liegt es aber auch an ihrer Zappwut und dem Versuch immer zwei Sendungen zeitgleich sehen zu wollen, sowie einem fast ständig laufenden Fernseher, dass ihr schon so viele Lesben über die Mattscheibe huschten. Man kann auch sicher sein, dass wenn mirage mal krank ist und den Fernseher zur Entspannung anmacht und sich extra Sendungen aussucht, wo sie meinte keine Lesbe anzutreffen, genau dann dort eine zumindest einen Gastauftritt hat. Manche nennen es Gabe, es wurde aber auch schon häufig Fluch genannt. Besonders von insomnia, die mit Schrecken bemerkt, dass ihr Ziel, einmal eines der größten TV- und Filmlesbenarchive zu haben, trotz Umstellung auf DVDs irgendwann wohl die Kapazität ihrer Wohnung sprengen wird.

Viele Filme mussten schon angesehen werden und da der jeweilige Rezensent sicher gehen wollte, die Qual nicht alleine durchstehen zu müssen, wurden jährliche bis halbjährliche Arbeitswochenenden eingeführt. Neben guten Filmen und Serien gab es dabei häufig den Wettstreit, wer das Übelste mitbringt. Dies ist einer der Gründe, dass seit Jahren mirage jedes Mal ‚In der Hitze von Arizona' mitbringt, er aber bisher immer ganz unten im Stapel verschwand.

Auch wenn Alkohol keine Lösung ist, so kann er manch üblen Lesbenfilm erträglich machen, aber bei einer Session, als ‚Bar Girls' und ‚Claire of the Moon' hintereinander gesehen wurden, konnte insomnia mit dem Mixen der Cocktails gar nicht mehr nachkommen.

Eine kleine Auswahl der besten und schlimmsten Filme, die wir bisher gesehen haben:

Best of mirage
Worst of mirage
1.) Bound - was muß man zu diesem Film noch sagen, außer dass ich ihn von dem Moment an mochte, als Gina Gershon aus dem Kleiderschrank fiel. 1.) The Girl - der Film war so übel, dass ich überlegte, das Kino zu verlassen, ich hab dann als Alternative das Einschlafen gewählt.
2.) Saving Face - ein runder Film, mit ein bisschen Zucker oben drauf und Joan Chen. 2.) Make a Wish - vielleicht landet der Film nur auf der Liste, weil es der in letzter Zeit übelste Film war, aber das mit Abstand.
3.) When night is falling - ein Klassiker auch wenn ich nie einen Hund in meinen Kühlschrank legen würde. 3.) Go Fish - da ich forciert intellektuelle Filme mit Sendebewußtsein nicht ausstehen kann.
4.) Being John Malkovich - allein für das ‚halbe Stockwerk' liebe ich den Film. 4.) Claire of the Moon - stellvertretend für all die üblen Lesbenfilme dieses Zeitabschnittes. Klischee über Klischee.
5.) Hochzeit zu Dritt - da ich gerade emotional labil genug bin, um mich von Mainstraim-Romantik gerührt zu fühlen :-) 5.) Salomberries - Deutsches bedeutungsschwangeres Autorenkino - mehr muß ich nicht sagen.
 
Best of insomnia
Worst of insomnia
1.) Being John Malkovich - weil der Film total durchgeknallt ist und als Bonus noch eine überdurchschnittlich sexy Catherine Keener enthält. 1.) The Girl - den ich zweimal sehen mußte, da ich beim ersten Mal, wohl nicht nur aufgrund des Jetlags, eingepennt bin. Das verzeihe ich dem Film nie :-)
2.) High Art - weil die Chemie zwischen den 2 Darstellerinnen selten so gut geprickelt hat und weil ich dadurch Patricia Clarkson entdeckt habe. 2.) Salmonberries - nicht nur weil ich kd lang nicht so toll finde, war der Film eine einzige Qual für mich.
3.) Mulholland Drive - weil David Lynch Filme auch ohne Lesben immer sehenswert sind und ich unkonventionelle Filme mag, wie die meisten an meiner Liste sicher schon bemerkt haben :-) 3.) Go Fish - den ich hoffentlich nie nie wieder sehen muß, nichtmal Gueneviere Turner konnte den Film auch nur annähernd sehensert für mich machen.
4.) Liebe und andere Katastrophen - weil ich Ensemblefilme mag und mich dabei köstlich amüsiert habe und Frances O´Connor später nie wieder so cool war. 4.) Claire of the Moon - von dem ich nur noch in Erinnerung hab, soviele Cocktails in einer Stunde wie selten zuvor getrunken zu haben, nachdem ich in den ersten 15 Minuten schon 20 Mal auf die Uhr geguckt hatte.
5.) When night is falling - weil es der erste Lesbenfilm war, den ich im Kino gesehen habe, und auch der einzige den ich zusammen mit meiner Mutter geguckt habe. :-) 5.) Bar Girls - von diesem Film fehlt mir jegliche Erinnerung dank der Cocktails des Vorgängers Claire of the Moon. Aber das er sehr sehr übel war, DARAN erinnere ich mich noch!

Liest man unsere Kommentare, so entsteht sicher manchmal der Eindruck, dass wir total verbiestert vor unseren Laptops sitzen, und aber auch gar nichts gut finden. Umso mehr wundert es uns, dass wir bisher noch keine Beschwerdemails über ungerechte Behandlung von Lieblingsfilmen bekommen haben. Und das wo mancher Film, der durchaus wohl gesonnen im Forum aufgenommen wurde, bei uns gnadenlos durchfiel. Aber seien wir ehrlich, nichts ist schlimmer als mediokre Filme, zu denen man außer dem Kommentar ‚nett' nichts zu sagen hat.

Aber nicht nur Arbeitswochenenden wurden der Homepage gewidmet. Auch in den Urlauben, versucht das Team doch mal in einer fremden Stadt eine Lesbenbar zu finden, oder Lesbenfilme zu sehen.

In New York schafften wir es dann auch in einem leeren Meow Mix (genau der proppenvolle Club aus Chasing Amy) zu stehen und am Tag der Ankunft bei einer Kinoaufführung von ‚The Girl' dank Jetlag und übler Story kollektiv einzupennen.

Erfolgreichster lesbentechnischer Urlaub war bisher sicherlich San Fransisco, auch wenn wir ohne eine sich das Hirn im Bodybuilding-Studio-wegtrainierte Rita Mae Brown hätten leben können. Wir rutschten denn auch gleich in unseren Sitzen in der letzten Reihe ihrer Buchlesung tiefer, als sie erwähnte, dass besonders ihre deutschen Leser von ihren Katzenromanen angetan wären. Dafür entschädigten jedoch das lesbische Theaterstück im Hinterhof und eine Lesben-Jungesellinnenparty. Auch eine Sophie B.Hawkins CD-Release Party sollte nicht ohne uns stattfinden, auch wenn den ganzen Abend kein einziger Song der CD, dafür jede Menge Hip Hop gespielt wurde.
Beim Urlaub in Florenz war, da online keine Lesbenbars zu finden waren, zumindest eine stilvolle Sichtung von ‚Unter der Sonne der Toskana" vorgesehen, die damit endete, dass insomnia den Finger nicht mehr vom Fast Forward-Knopf nahm.
Auch in Lissabon versuchten wir unser Glück, die online aufgeführten Lesbenbars zu finden. Das uns dies nicht gelang, lag nur die ersten zwei Stunden an insomnias miserablem Orientierungssinn, als wir dann endlich die angegebene Adresse fanden, standen wir vor einem Bretterverschlag, der höchstens ein paar Ratten beherbergte, jedoch nie Lesben.

Dieses Jahr, kann uns das jedoch nicht passieren, haben wir uns doch den CSD in Köln auserkoren. Also haltet die Augen offen, vielleicht seht ihr ja zwei bleiche, völlig fertig aussehende Frauen in T-Shirts mit cootv-Aufschrift. Und wer weiß, zum 10. Geburtstag leisten wir uns dann vielleicht sogar einen eigenen Wagen. :-)

Aber bis dahin wünschen wir uns und euch natürlich auch, viele Lesben, die Filme mit Sendebewußtsein drehen, notgeile Männer, die Filme mit 'Lesben' drehen, publicity geile Schauspielerinnen, die gerne Frauen küssen, Serien, die ihre Einschaltquoten ab und zu mit einer "Lesbenfolge" aufpeppen wollen, ab und zu ein Idol das sich outet und vielleicht zumindest ab und zu einen wirklich guten Film. Was auch immer die Zukunft bringen wird, wir sind hier um es zu kommentieren.

 

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