Zwei Monate jedes Jahr spielen im Leben einer Serie in Amerika eine große Rolle, denn jeden Februar und Mai werden die Einschaltquoten sehr genau ermittelt und über Leben oder Ableben einer Serie entschieden. Für den Zuschauer bedeutet dies, daß er in dieser Zeit und insbesondere im Mai, in dem die Finale der Serien fallen, mit Versprechungen von Drama, Tränen, Lachen und Überraschungen überschüttet wird. Für mich ist der diesjährige Höhepunkt eindeutig Kathleen Turner als Chandlers Vater in „Friends“, denn jeder dessen Eltern Morgan Fairchild und Kathleen Turner sind, verdient mein aufrichtiges Mitleid. Aber es gibt noch eine andere Geheimwaffe der Produktionsfirmen, auch wenn man dabei nicht von geheim sprechen kann, da es schon Wochen vorher überall groß angekündigt wird. 
 
 

Ungeschlagenen Königin in diesem Bereich ist eindeutig „Ally McBeal“. Was diese Geheimwaffe ist? Ein Kuß zwischen zwei Frauen, die in der Serie bisher zumeist Hetero waren und es mal ausprobieren wollen, aber am Ende feststellen, daß so gut der Kuß auch immer war, Männer doch einfach besser sind. Oder wie es Allegra mal in einem großen Bericht ihren Leserinnen empfahl: Mal kurz ne gleichgeschlechtliche Affaire, um dann besser auf den eigenen Mann eingehen zu können
Ally McBeal hat sich in ihrer Laufzeit nun schon durch die halbe weibliche Belegschaft der Kanzlei geküßt. Da wären zum einen Georgia, Ellaine und Ling und bis auf die letzte ging es dabei immer nur darum einen aufdringlichen Verehrer los zu werden. Bei Ling war es dann mehr, aber am Ende beschlossen beide, daß sie doch das Ding zwischen den Beinen der Männern vermissen würden und da Ally McBeal eh die homophobischte Person im ganzen Fernsehuniversum ist, war auch hier das Ende von Anfang an klar. Jedesmal hatte der Kuß jedoch nur einen Zweck: die Einschaltquoten hochzutreiben und so wurde auch vorher immer schön promotet. Diese Art des Vorgehens ist schon so bekannt, daß wenn ein Produzent von einem Ally McBeal Kuß redet, jeder weiß, was gemeint ist. Und so muß sich jeder Produzent, der eine Lesbengeschichte ernst angehen will, zunächst gegen diesen Verdacht wehren (s. Joss Whedon bei Buffy the Vampire Slayer). 
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Aber nicht nur diese Serie hat sich dem „Lesbenkuß“ zur Erhöhung der Einschaltquoten zu nutze gemacht. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist „Party of Five“. Hatte in ihren Teenagerjahren Julia (Neve Campell) noch eine lesbische Freundin, die sich in sie verleibt hatte, brüskiert hinausgeworfen, änderte sie ihre Meinung ein paar Jahre später, denn es war Einschaltquotenzeit und die Serie verlor immer mehr Zuschauer in ihrem letzten Jahr. Zudem traf es sich gut, daß Julia ausnahmsweise mal ohne Mann dastand, einem Tatbestand, der an den Grundfesten dieser Figur rüttelte, die sich bisher immer nur durch Beziehungen definiert hatte, aber was für ein Glück, war da doch die hilfsbereite Collegeprofessorin für Literatur (Dargestellt von Olivia d’Abo) und wieso nicht mal einen kurzen Kuß ausprobieren? Gesagt getan, die Einschaltquoten gingen für diese Folge hoch, auch wenn der Kuß sehr lahm war und schon zwei Folgen später hatte sich diese für Julia wichtige Freundin für immer verabschiedet, ohne das der Zuseher genau erfuhr, wieso eigentlich. Aber Julia brauchte sie nicht mehr, ein Kerl war wieder in ihr Leben getreten. 
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Eine weitere Variante die zur dieser Zeit, in der es für jede „Schauspielerin“ hip ist, mal so eine schwierige Rolle wie die einer Lesbe oder Bisexuellen zu spielen, ist die, sich für eine Folge eine bekannte Person in die Serie zu holen und dann mal die Frauen schön küssen zu lassen, auch wenn sich gleich danach eine meist angeekelt zurückzieht. Kuß ist Kuß und die Einschaltquoten sind auch da wo sie sein sollen. Beispiel für dieses Vorgehen sind Winona Ryder, die mal eben in „Friends“ vorbeischaute, um mit Jennifer Aniston zu knutschen, Alanis Morissette, die sich einen Kuß mit Sarah Jessica Parker in „Sex and the City“ teilte oder auch Sarah Michelle Gellar, die in „Grosse Point“ sich selber spielte und dort nach ihrem Erfolg mit „Eiskalte Engel“ fälschlicherweise für bisexuell gehalten wurde. 
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Aber auch andere Serien bringen gerne mal eine „lesbische“ Folge und so macht dieser Hype auch nicht Halt vor „Baywatch Hawaii“, wo sich zwei Frauen des Ensembles küssen sollen, natürlich zuerst nur, um einen aufdringlichen Kerl loszuwerden (Wieso erzählt denen niemand, daß das die Kerle eher mehr anturnt, als ihn abzuwehren, wie ja auch die Einschaltquoten verraten, um dann aber am Ende auf ein „echtes Date“ zu gehen. 

Eine weitere Möglichkeit ist die, daß sich die Hauptdarstellerin, nennen wir sie doch einfachheitshalber mal hmmm Roseanne, mit ein paar Freundinnen dazu entschließt mal einem Abend ohne Männer zu verbringen und sie dann oh Wunder durch Zufall oder mit Absicht, in einer Lesbenbar landen. Dort, wie sollte es anders sein, wird dann Roseanne auch gleich von einer Lesbe angegraben und meistens kommt es dann für die Darstellerin (nicht für den Zuschauer) zu einem überraschenden Kuß, aus dem sich die Hauptdarstellerin dann aber zurückzieht und erstmal ein paar Sachen klarstellt, wie zum Beispiel, daß sie nur auf Männer steht und sich nur nett unterhalten wollte. 
 
 
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Und dann gibt es Serien, die sogar über ein paar Folgen hinweg eine lesbische Figur auftreten lassen. Und das kann sogar im ansonsten klinisch einwandfrei sauberen und sterilen Star Trek Universum passieren, auch wenn es bei den weniger political correct erscheinenden Deep Space Nine passiert. Zunächst hatte es eine Folge gegeben, in der sich die Trillfrau Jadzia Dax in eine andere Trillfrau verleibte und diese sogar küßte. Doch ach die Königskinder konnten zueinander nicht finden, aufgrund der Konventionen, denn um die Sache etwas kompliziert zu machen und etwas zu „heterosexualisieren“ muß man zunächst wissen, daß Trills einen Symbionten in sich tragen, der wenn sie sterben in den nächsten Wirt verpflanzt wird und alle Erinnerungen mit sich nimmt. Und so verliebten sich nun die alten Wirte ein Ehepaar, deren Erinnerungen in den beiden Frauen weiterlebten, wieder ineinander oder waren es nun wirklich die beiden Frauen? Ganz klar wurde das nie und am Ende entschied sich die eine, zu ihrem Planeten zurückzukehren, da Beziehungen zwischen Symbionten, die schon mal zusammen waren, nicht erlaubt waren. Später gab es dann ein Spiegeluniversum und da dort eh alle nicht ganz sauber waren, durfte es dort auch bisexuelle und lesbische Frauen geben. Da wäre zum einen die Spiegelkira, Despotin in ihrem Reich, die wohl eher als omnisexuelle zu bezeichnen war und in einer der letzten Folgen die spätere Wirtin von Dax, Ezra Dax, die wohl die einzige wirklich homosexeuelle Figur im gesamten Star Trek Universum war und bleiben wird. 

Und auch in einer weiteren Science fiction Serie gab es ein Fastpaar. In Babylon 5 kamen sich zwei der Hauptfiguren (Lyta irgendwas und blahblahblah Ivanova) näher. Bevor es jedoch auch nur in irgendeiner Weise offiziell werden konnte, wurde eine der beiden durch den Tod hinwegrationalisiert.

Bleibt nur noch eine Variante übrig, die des permanenten Subtextes, wie er zwischen Captain Janeway und Seven of Nine in „Voyager“ zu beobachten ist, auch wenn der Captain Seven of Nine nur helfen will, ihre Menschlichkeit wiederzuerlangen (sicher doch J). Zur übertriebenen Perfektion führte den Subtext aber eine andere bekannte Serie: „Xena, die Kriegerprinzessin“ in der es von Subtext zwischen den beiden Hauptfiguren Xena und Gabrielle nur so wimmelt, der aber auf die Dauer für den Fan frustrierend wirken muß, da es nie über die Stufe des Subtextes (wenn auch sehr offensichtlichen Subtextes) hinausgeht. Oh sicher, einen Kuß durften die beiden Figuren sich schon teilen, aber auch hier wurde eine Hintertreppe eingebaut, denn während sich die beiden küssen, steckt Xena gerade im Körper von Autoclyos (oder so ähnlich) und so bleibt es der Interpretation offen, wer nun eigentlich genau Gabrielle küßt. 
 
 

 Aber auch in Deutschland wird es langsam hip mal für eine Folge eine der Figuren mit ihrer Sexualität hadern zu lassen. Und so durfte in der „Roten Meile“ eine der Stripperin mal ihr Glück mit einer Fotografin für eine Folge versuchen, die ausgerechnet von Jessica Stockner gespielt wurde (und ich danke Gott oder wem auch immer, noch immer dafür, daß ich das nur gelesen habe und nicht selber sehen mußte) oder auch die „Wache“ in der eine der Polizistin für eine folge mit dem Gedanken spielt sich in die nette lesbische Nachbarin zu verlieben, die ihr Avancen macht, nur um am Ende der Folge, lachend in der Umkleidekabine mit ihrer Kollegin festzustellen, daß sie einfach Männer braucht. 

 

 

 
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