| Story
Diese Sitcom war die
erste, die sich um eine Familie aus der Arbeiterklasse beschäftigte.
Auf sehr witzige Art und Weise wurden die kleinen und großen
Probleme des White Trash Amerikas dargestellt. Gerade diese
Nähe zum wahren Leben ohne dass es am Ende der einzelnen
Folgen den moralisch erhobenen Zeigefinger gab, oder die
Lösung aller Probleme, brachte der Serie jahrelang
hohe Einschaltquoten und Kritikerlob ein. Arbeitslosigkeit,
Gewalt in Beziehungen oder Ehebruch aber auch Familientreffen,
unerträgliche Mütter und revoltierende Kinder
waren Themen von Folgen. Und dennoch oder gerade deswegen
war die Serie witzig. Und auch Homosexualität wurde
früh mit einbezogen. Zunächst war da Roseanne’s
Chef im Coffee-shop, der später ihr Teilhaber an ihrem
Lokal der „Lunch-Box“ wurde.
Und dann war da noch
Nancy (gespielt von der offen lesbischen Sandra Bernhard),
eine von Roseanne’s und Jackie’s (Roseanne’s Schwester)
Freundinnen. Zunächst noch heterosexuell heiratete
sie einen Freund von Dan (Roseanne’s Mann). Doch die Ehe
hielt nicht lange und der Ehemann verschwand spurlos (später
behauptete er, Aliens hätten ihn entführt). In
seiner Abwesenheit merkte Nancy schließlich, daß
sie eigentlich lesbisch sei und begann dieses Leben zu leben.
Ein paar Folgen lang tauchte Morgan Fairchild als ihre Freundin
auf, aber viel passierte eigentlich nicht mit dieser Storyline.
Mit Ausnahme einer wichtigen Folge.
In „Don’t Ask, Don’t
Tell“ Roseanne und Jackie begleiten aus Neugierde Nancy
und deren derzeitige Freundin Sharon (Mariel Hemingway)
in einen schwul-lesbischen Club. Während Jackie sich
in der Situation unwohl fühlt, hat Roseanne eine gute
Zeit und amüsiert sich mit Sharon. Sie unterhalten
sich und scheinen auf der gleichen Wellenlänge zu liegen,
doch Sharon versteht Roseanne’s Art falsch und küsst
sie überraschend. Noch während sie sich umarmen,
ist eindeutig zu sehen, daß Roseanne nicht gerade
begeistert von dem Kuß war, versucht sie doch, ihren
Mund an Sharon’s Schulter abzuwischen. Der Rest der Folge
beschäftigt sich mit Roseannes’ innerem Kampf zwischen
ihrer Akzeptanz für Homosexuelle und ihrem Unbehangen
über den Kuß und wie sie ihrem Mann von dem Vorfall
erzählen soll.
Die Folge sollte am
1. Mai 1994 (6. Staffel, Folge 18) ausgestrahlt werden,
doch schon im Vorfeld verkündete ABC, daß sie
die Folge zurückziehen wollten aufgrund des Kusses.
Steve Weiswasser, Präsident der Multi-Media Gruppe
und Vizepräsident der TV Network Gruppe erklärte,
“….it is not a lifestyle most people lead.". Ein Sender,
der sich immer geweigert hatte, die Gewalt in seinen Sendungen
zensieren zu lassen, rief sich plötzlich zum eigenen
Zensor auf. Roseanne Barr war entrüstet „Why is it
so shocking to see a woman kiss another woman but not to
see a woman
raped, mutilated, and murdered every two seconds?" und GLAAD
(“Gay & Lesbian Alliance Against Defamation”) ging mit
Zeitungsanzeigen, Podiumsdiskussionen, öffentlichen
Erklärungen und Briefaktionen in den offenen Kampf
gegen ABC und sie gewannen.
Weiterhin passierte
nicht viel mit der lesbischen Nancy, sie blieb zwar lange
in der Serie aber mehr als Randfigur, mehr Gewicht hatte
da der schwule Leon (Martin Mull). In der 9. Staffel gab
es dann plötzlich eine neue Lesbe. Roseanne’s Mutter
fing eine Beziehung mit einer versoffenen Sängerin
Namens Joyce an. Die 9. Staffel ist das eigentliche Ende
der Serie gewesen, Roseanne wollte eigentlich nicht weitermachen,
wurde aber von ABC aufgrund des Erfolges dazu gedrängt.
Sie rächte sich auf ihre Weise in dem sie die Connor’s
durch einen Lottogewinn plötzlich zu den reichsten
Leuten machte und ab dann die abstrusesten Geschichten brachte,
wie die in der Roseanne als weiblicher übergewichtiger
Rambo, die Familie bei einer Zugentführung rettet.
Ganz am Ende der Staffel und damit der Serie sahen wir sie
dann in ihrem Keller sitzen und erfuhren, daß sie
sich alles nur ausgedacht habe, um ihren Leben zu entfliehen.
So sei z.B. ihr Mann sei längst an einem Herzinfarkt
gestorben und nicht ihre Mutter sei lesbisch, sondern ihre
Schwester.
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