| Story
"Verbotene Liebe" (VL) war der erfolgreiche
Versuch der ARD nach dem Prinzip von "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" eine eigene
Soap im Vorabendprogramm zu starten. Zusammen mit VL wurde der Marienhof, der
bis dahin eine etwas gemäßigtere Familiensendung war, die zweimal die
Woche zu sehen war, vom Konzept her erneuert und nun als 25 Minuten Sendung auf
das gleiche junge, hippe Publikum (oder was die ARD dafür hält) zugeschnitten
ins Rennen geschickt. Und
da es den Deutschen schon immer schwer fiel mit eigenen Ideen, wurde für
VL einfach das Konzept einer australischen Soap ("Daughters and Sons") kopiert.
Hier wie dort stand zu Beginn die verbotene Liebe eines Zwillingspärchens
im Mittelpunkt, die nach ihrer Geburt getrennt wurden, sich später kennenlernten
und ineinander verliebten. Nichtmal die Erkenntnis Bruder und Schwester zu sein,
konnte diese Liebe (und damit einige üble Storylines) aufhalten. Jan und
Julia waren dann auch das erste verbotene Paar. Im Laufe der Jahre gab es etliche
verbotene Paare und irgendwann war es dann soweit, daß es auch das erste
verbotene lesbische Paar gab. Angenehm war dabei die Tatsache, daß diese
Liebe nicht verboten war, weil es sich um zwei Frauen handelte, sondern weil eine
von ihnen fest liiert und später auch verlobt war. Und noch interessanter
ist die Tatsache, daß es den Fans dieses Pärchens nie etwas ausmachte,
daß Erika ja ihren Arno betrog, als Nina ihr kleines Geheimnis wurde. Die
Storyline war so erfolgreich, daß sogar mit zweiseitigen Annoncen in Frauenzeitschriften
für diese "Frauenliebe" geworben wurde. Als die Beziehung dann offiziell
war und die ersten Hürden genommen waren, verebbte auch die Zärtlichkeit
zwischen den beiden Figuren (übrigens typisch für die VL-Pärchen:
sobald sie zusammen sind, verebben Küsse und Prä/ Post-Sex Szenen).
In der Fangemeinde wurden die "Zärtlichkeiten" zwischen Erika und Nina auch
als Bettkantenhocking und Eskimoküsse bekannt. Irgendwann war dann mal jede
Geschichte zwischen den beiden ausgereizt, und sie nahmen das Schicksal, das jede
Beziehung früher oder später in der Soapwelt ereillt: Eine ging fremd,
hielt es geheim, es kam natürlich raus und man trennte sich. Raphaela Dell
(die Darstellerin der Erika) vermutete jedoch ganz andere Dimensionen dahinter.
Die ARD hätte sich von der lesbischen Stroyline zurückgezogen und hätte
damit die Möglichkeit verspielt, eine zärtliche homosexuelle Beziehung
darzustellen. (Zu der Zeit als sie Erika und Nina trennten, gab es jedoch längst
ein neues, wenn auch diesmal männliches homosexuelles Paar). Frau Dell äußerte
ihre Vorwürfe in Form eines offenen Briefes in der EMMA und kündigte
bei VL. Was man ihr jedoch hoch anrechnen muß ist, daß es wohl ihrem
Engagement zu verdanken war, daß es überhaupt E&N jemals gegeben
hat. Denn als es an der Zeit war, daß auch mal wieder Erika eine andere
Rolle in der Serie hatte, als für ihre Töchter und ihren LAG dazusein
und man ihr einen jüngeren Liebhaber geben wollte, wollte sie lieber eine
Liebhaberin. Die
arme Nina blieb allein zurück. Später erhielt sie zwar noch einmal eine
neue Freundin, doch was sich zwischen den beiden abspielte, kann man beim besten
Willen nur als lau bezeichnen. Die Beziehung hielt dann auch nicht lange, da Nina
angeblich immer noch Erika hinterhertrauerte, Jule fing etwas mit einem Mann an
und so war es nur noch eine Lesbe im weiten VL-Land. Und auch sie hielt nicht
mehr lange durch und verabschiedete sich in das Land, aus dem sie mit in die verbotene
Welt gebracht wurde: Griechenland. |