| Story
Ein Auftritt als böse Kriegerprinzessin
in einer Doppelfolge von ‚Herkules’ reichte aus, um Xena so populär
zu machen, dass sie ihre eigene Serie bekam. Im Gegensatz zu Herkules handelte
es sich jedoch bei Xena um keine Heldenfigur mit weißer Weste, sondern
um einen Charakter mit dunkler Vergangenheit, hatte sie in ihrer Karriere
als Kriegerprinzessin doch zahllose Dörfer überfallen und Menschen
brutal ermordet. Noch während ihres Auftrittes bei ‚Herkules’ erfuhr
sie jedoch, indem sie ein unschuldiges Baby vor ihren eigenen Mannen rettete,
ihre Läuterung.
Zu Beginn ihrer eigenen Serie war Xena nun
bereit, Buße für ihre Taten abzulegen, doch dass
dies nicht mit einer Folge, geschweige denn einer Staffel
getan sein würde, wurde von Anfang an klar gemacht.
Es sollte ein langer und steiniger Weg werden. Doch alleine
musste diesen die Kriegerprinzessin nicht beschreiten. Schon
in der ersten Folge rettet sie mehrere Mädchen, unter
ihnen ein Mädchen namens Gabrielle, vor einer Gruppe
von Kriegern. Gabrielle wiederum durfte Xena gleich anschließend
vor dem wütendem Mob rettet. Und ob Xena wollte oder
nicht, Gabrielle entschied sich, mit der Kriegerprinzessin
durchs Land zu ziehen. Denn für das Leben an der Seite
eines Mannes in ihrem Dorf war sie nicht gemacht, Gabrielle
wollte die Welt kennen lernen und eine berühmte Dichterin
werden und wo konnte sie das besser als an Xenas Seite.
Eine innige Freundschaft
verband die beiden von Anfang an. Wie Yin und Yang komplettierten
sie sich und dass sie sich beide liebten stand außer
Frage. Sie selbst verkündeten es häufig genug.
Doch ging diese Liebe über freundschaftliche, rein
platonische Liebe hinaus? Die Fangemeinde spaltete sich
und bekämpfte sich über diese Frage.
Es gab zahlreiche Hinweise:
Blicke, Berührungen, Händchenhalten, Umarmungen,
Beteuerungen von ewiger Liebe und Freundschaft, unschuldige
Küsse auf Wange oder Stirn und häufig genug waren
die beiden bereit für einander im Kampf zu sterben.
Sogar das Wort Seelenverwandte fiel das ein oder andere
Mal.
Es gab sogar Küsse,
selbst wenn dies nie ‚wirkliche’ Küsse waren. Der erste
‚Kuß’ geschah, als Xena zum erstenmal tod war und
ihre Seele im Körper des Diebes Autolycus Unterschlupf
gefunden hatte. Sah man die Köpfe von Xena und Gabrielle
sich in einer Höllendimension annähernd, so war
es doch schlussendlich der Mann, der Gabrielle küssen
durfte.
Weitere Küsse folgten: zum Beispiel
bei einer Mund-zu-Mund Beatmung oder in der letzten Folge, als Gabrielle
Xena durch einen Kuß wiederbelebendes Wasser einflößte.
Xena war somit die erste Serie in
der es ernstzunehmenden Subtext zwischen zwei weiblichen Hauptfiguren gab.
Eine Tatsache die ihr zu einer großen Fangemeinde unter den Homosexuxena
und in Frauengefängnissen verhalf.
Ganze Seiten im Internet sind gefüllt
mit Szenenbeschreibungen, in denen der Subtext detailliert, Szene für
Szene erfasst ist. Kann soviel Subtext zufällig sein? Und wenn nein,
würde aus dem Subtext jemals Maintext werden?
Nur Autoren und Darsteller der Serie
konnten darüber Auskunft geben und taten dies bereitwillig. Man war
sich des Subtextes nicht nur bewusst, nein man spielte auch damit und versuchte
ihn so weit wie möglich zu treiben. Aber über Subtext würde
es wohl dennoch nicht hinausgehen, schließlich war man eine Familiensendung
und wollte es auch bleiben (aber auch die lesbischen Zuschauer wollte man
nicht verlieren). Oder wie es anders ausgedrückt wurde: Wer weiß
schon, was Xena und Gabrielle offscreen treiben.
Als dann die endgültig
letzte Staffel anlief, erhofften sich die lesbischen Fans,
dass es doch noch zu einer offizixena Liebeserklärung,
die keinen Zweifel mehr zulassen würde, kommen würde.
Schließlich gab es für die Macher nichts mehr
zu verlieren und dass Lesben langsam ‚gesellschaftsfähig’
wurden hatten Willow & Tara bei Buffy bewiesen, die
gerade ihr ‚Coming out’ feierten.
Doch ein weiteres Mal
wurden die Subtexter enttäuscht, zwar gab es wieder
genug Subtext besonders aber selbst in der allerletzten
Folge, in der Xena ihr endgültiges Ende fand, kam es
zu keinem Kuß ohne Hintergedanken, rein aus Liebe
heraus. Nein diesmal war es das lebensspendende Elixier,
das durch einen Kuß eingeflößt wurde. In
Anbetracht der treuen Fangemeinde und dessen, dass es nichts
mehr zu verlieren oder gewinnen gab, ein feiges Unterfangen.
Xena starb und diesmal endgültig
und so durften Xena und Gabrielle ihre Liebe nie offen auf dem Bildschirm
ausleben, dies blieb ihnen allein in den vielen Fanfictions, die über
sie existieren, erlaubt. |